von grünen damenhosen geträumt

Von grünen Damenhosen geträumt. Stand vor dem Ankleidespiegel im Laden. Bauschige, grüne Hosen, ein bisschen kurz… Nicht so richtig zu mir. Vielleicht doch, keine Geduld mehr, schon zulange. Dort drüben hängen noch so Armeehosen, schwarze.

Beim Erwachen auf dem Sofa, die Platte hängt. Krks, krks, krks… Gestern abend gehört. Platte, die ich auf dem Konzert gekauft. Im Zoro. Vorher Fanzine gekauft von der Sängerin. Türkisener Umschlag, ähnlich den Hosen. #erinyen, waren das nicht diese wohlmeinenden Göttinnen mit den Schlangen im Haar? Übermenschlich gross mit blutigen Augen? Jedenfalls das Heft sehr schöner Umschlag, bisschen verwirrendes Layout, anarcha-feminist english language zine with focus on southeastern europe. Interessant zumeist die etwas in irgendwelche Tiefen gehenden Artikel, ein paar Sachen zu oberflächlich, schon zu oft gelesen. Trotzdem feines Heftchen, obgleich mir manchmal persönliches beschreibende besser gefallen, wie das gerade hier umherliegende Doris. Kurzer Abstecher in die mir vorliegende Ausgabe: “Snarla wrote about pissing on her fingers. She wrote about costume and camouflage – about the power she got from acting crazy and giving people visible reasons to think that she was. It was an act put up to distract people from the real crazy thoughts that were in her head. She called this disinformation, which was a good word for it, but I knew she was lieing. It was my lie too.”

Bernays Propaganda ist der Name der Band übrigens, aus Skopje. Waren grad nochmal auf Tour und neue Platte. Mir gefällt ihr Lied “I dont want to know”. Sie singt “I was breathing / with a maniacal depression / one way ticket / for a better future / it must be better / far away is the best”, was mich erfreut, alter EA80-Fan, der ich bin. Nun die neue Platte noch nich gehört. Die Lieder mir teilweise schon zu funk-lastig, zu glatt. Geht schon ein Stückchen über das von Fugazi gewohnte hinaus. Ein wenig ist es wohl das alte Chumbawamba-Konzept. Überhaupt erinnern sie mit den ins englische übersetzten Texten ein bisschen an eine ältere Generation von Bands, die Ende der 80er mit Post-Punk durch Europa getingelt sind: Kina, Citizen Fish, The Ex, Trottel. Die hatten auch immer ihre Texte mehrsprachig abgedruckt und eine ähnliche Tour-Häufigkeit. Ist ja eigentlich gar nicht so häufig gewesen, dass Bands aus dem Umfeld, mit nicht-englischsprachigen Texten so eine internationale Präsenz hatten. Bei Bernays Propaganda sind wohl zwei von FPO aus Skopje dabei, die gab es von 2001 bis 2008. Ein Freund erzählte mir von irgendwelchen Problemen mit Plakaten in Österreich aufgrund von Verwechslungen, he he.

Als Beilage zur ersten Platte ein hübsch gestaltetes Heft, das in irrsinnig kleiner Schrift eine philosophisch begründete Verteidigung der Tierrechte herleitet. Acht wirklich eng bedruckte Seiten. Ziemlich beeindruckende Gedankensprünge, die allerdings ziemlich weit ausholen. An einigen Stellen befällt einen das altbekannte Zu-den-bereits-Bekehrten-predigen-Syndrom. Für mich müsste nicht erst die Vernunft der Menschen via Umweg über Kant angezweifelt werden, um mich zu überzeugen, dass die Menschen ihre Moral weniger von der Vernunft herleiten, als vielleicht eher aus der Geschichte ihrer Gewohnheiten. Alte Tradition gut abgehangener Wurst. Dennoch sind die Gedankengänge sehr interessant zu verfolgen, wenn man seine Leselupe zur Hand nimmt.

Bernays Propaganda sind ab mitte September wieder auf Tour. Da würde ich wieder hingehn. Mit meiner grünen Hose… Ich strich mit meinen grünlackierten Fingernägeln über meine neue grüne Hose.

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